The little life of Klärchen

Die Lesende Minderheit

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Sonntag, 2. Januar 2011

Die Bürde der Konsequenzen

"Sie hasste es, dass ihr alles, was sie erlebte, gleich so unumkehrbar, so schicksalhaft vorkam. Die Bürde der Konsequenzen nannte sie das bei sich[...]Wie sehnte sie sich nach der Unbekümmertheit anderer gleichaltriger Jugendlicher, nach deren grundloser Überzeugung , unsterblich zu sein. Sie wünschte sich die ganze Leichtigkeit ihrer fünfzehn Jahre, doch wenn sie sie zu greifen versuchte , spürte sie plötzlich, mit welcher Eile ihr die Zeizt der Jugend entglitt. So wurde die Bürde der Konsequenzen wirklich unerträglich, und ihre Gedanken drehten sich immer schneller , in noch engeren Kreisen."
Paolo Giordano, Die Einsamkeit der Primzahlen, S. 96
So viel zur Bürde der Konsequenzen, wie sie im Roman beschriben wird.
Als ich diese Zeilen las kam mir nur eins in den Sinn "Ja, genau das meine ich doch". Wenn ich mich umgeschaut habe war es meistens so. Alle feierten, betranken sich, tanzten. Das soll keinen schlecht darstellen. Sondern, und auch hier stimme ich Alice zu, oft genug beneide ich alle die das können. Möchte ich doch auch einfach vergessen können was um mich rum pasiert und feiern können. Statt dessen, denke ich ständig nach. Was alles pasieren könnte, was die anderen von mir denken könnten? Und das macht alles nur noch schlimmer, denn was denken die anderen wohl von mir, wenn ich nicht mitfeiere, wenn ich nicht mittrinke? Wie oft bekomt man schiefe Blicke zugeworfen.
Ständig mache ich Pläne, was ich in meinem Leben erreichen möchte, was ich noch machen möchte. Wohin ich reisen möchte, und zwar möglichst bald. Wenn mein Vater das hört antwortet er oft nur: Aber du bist doch noch so jung, du hast doch noch alle Zeit der Welt um alle diese Reisen zu machen, um alles zu erleben.
Dann stehe ich wieder da und denke und rechne. In einem halben Jahr ist meine Schulzeit zu Ende, danach geht es hoffentlich ein Jahr ins Ausland. Dann kommt das Studium, und je nachdem was ich studiere bin ich Dreißig bis ich fertig bin. Ich möchte doch eine Familie gründen, und eine junge Mutter sein, nein nicht direklt in den nächsten zwei Jahren -das wär dann doch was jung- aber vielleicht doch bevor ich dreißig bin.
Immer wieder kommt dann dieses Gefühl auf, das die Zeit einfach davonläuft, durch meine Hände rinnt wie Sand. Wo hin will sie denn nur?
Bitte liebe Zeit halt doch einfach mal an. Bleib stehen, nur für einen kurzen Moment. Lass mich nicht an morgen denken müssen, nicht an all die Aufgaben und Ziele die noch vor mir liegen.
Und noch während ich das schreibe fange ich wieder an zu planen, denn morgen beginnt die letzte Ferienwoche und damit eine Woche später wieder die Schule und ganz bald die Klausuren, und für die muss man schließlich lernen, oder? Jedenfalls nehm ich mir das vor, am Ende werde ich vermutlich wieder eine Nacht vorher zum ersten mal in meine Notizen gucken, und hoffen das schon alles irgendwie klappt, wie immer.

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